|
Mit der Liste der Volkszählung von 1855 liegt wieder eine Erhebung vor, in der alle Spiekershäuser Einwohner erfasst sind. Die Volkszählungsergebnisse von 1833 und 1836 enthalten für Spiekershausen leider nur die
Namen der steuerpflichtigen Hofbesitzer. Die Urlisten sind im Gegensatz zu 1855 verschollen.
1855 leben in 25 Wohngebäuden insgesamt 155 “Seelen”, davon 78 männlich und 77 weiblich. Ihr Alter ist jeweils aufgeführt, ebenso der Beruf, Stand und Konfession. Es gab 51 Ehepaare, einen Witwer und 9 Witwen. Die
übrigen waren alleinstehend. Lutherisch waren 134 und reformiert 20 Personen. Ein Katholik lebte im Ort.
Die Häuser waren eng bewohnt, z.B. bei Kaisers (Nr.1,2) 13 Bewohner, in der Mühle 9, bei Robens 10, bei Haacks 8, beim Treppenhenner 10 und bei Otto Spohr 8 Bewohner.
In sieben Häusern waren Eisenbahnarbeiter Untermieter. Grund war der zwischen 1852 und 1856 durchgeführte Bau der mächtigen Kragenhöfer Eisenbahnbrücke. Zwei Häuser waren ganz von zugezogenen
Eisenbahnarbeiterfamilien mit insgesamt 10 Personen bewohnt (Nr.2 und 19). Aus dem Haus Nr.19, das 1851 Albertus Böttchers Erben und 1855 Johannes Spohr gehörte, war Anfang 1855 die Familie Eberlein nach Hann.
Münden umgezogen.
In diesem heute nicht mehr vorhandenen Hause wurde 1847 der später weltbekannte Bildhauer, Maler und Dichter Gustav Heinrich EBERLEIN geboren.
Es muss damals im Dorf eine ungeheure Unruhe geherrscht haben. Auch die Kinder der Eisenbahnarbeiter werden zusammen mit den einheimischen in die 1835 errichtete Schule, die bis 1902 benutzt wurde und deren
doppelflügelige Tür ich 1991 “sicherstellte”, gegangen sein (heute Hauptstr.21).
Die meisten Spiekershäuser waren 1855 von Beruf Tagelöhner (17, einige mit Hausbesitz), Eisenbahnarbeiter (10) sowie Knechte (3) und Mägde (6). Es gab viele verkappte Arbeitslose (meist als Sohn oder Tochter
aufgeführt). Neben den 12 Ackermännern gab es jeweils einen Müller und Müllergesell (Nr.4, Winneknecht), Wirt (Nr.1, Laubach), Steinbruchmeister (dito), Steinhauer (dito), Schullehrer (Nr.24, Kast), Schmied (Nr.8,
Böttcher), Stellmacher (Nr.7, Spohr), Tischler (Nr.14, Spohr), Hirten (Nr.21, Koch) und einen Schuhmacher (Nr.16, Beumler).
Die 25 Hausbesitzer waren 1855 (in der Reihenfolge der Hausnummern): Joh. Hrch. Laubach, Joh. Hrch. Laubach, Joh. Jost Spohr, Hrch. Chr. Winneknecht (Mühle Nr.4), Joh. Jost Keiser, Joh. Jost. Schütze (Bürgermeister),
Marg. Elisab. Spohr, Jost Hrch. Böttcher, Hrch. Spohr, Joh. Hrch. Böttcher, Jost Hrch. Schütze, Joh. Bein, Joh. Jost Grimm, Jost Hrch. Spohr, Hrch. Rinke, Margarethe Schütze, Lina Böttcher, Joh. Grobengießer, Joh.
Spohr, Hrch. Chr. Beumler, Joh. Hrch. Koch (Gemeindehaus?), Henner Grimm, Maria Böttcher, Hrch. Kast (Gemeindehaus?), Hrch. Schütze (Gemeindehaus?).
Mit dem Erhebungsjahr 1855 schließe ich den “Nachweis” über die “alten” Spiekershäuser Familien gerade zu einem Zeitpunkt ab, an dem es für einzelne Familien vielleicht erst interessant geworden wäre.
Die Angaben für den Zeitraum nach 1768, die ich aus den mikroverfilmten Kirchenbüchern fotokopiert habe, wurden von mir hier bewusst nicht dargelegt. Die Ausarbeitung wäre sonst noch umfänglicher und komplizierter
geworden. Allerdings fehlen dadurch interessante, z.T. tragische Angaben, wie z.B. die Eintragung vom 20.4.1847 “In der Fulda verunglückt Jost Hrch. Böttcher, Wwr,57 Jahre, Hrch. Justus B.,24 J., Joh. Just B.,33 J.
und Maria Elise Böttcher, 25 Jahre” oder eine Geburtseintragung, bei welcher der junge Mann gegen die angebliche Vaterschaft “hat protestieret”.
Die Kirchenbücher legen auch dar, dass in Spiekershausen vor dem Ende des 2. Weltkrieges fast jeder mit jedem verwandt war.
Es ist im Zeichen unserer heutigen Mobilität kaum noch zu begreifen, dass in unserem Ort früher fast nur untereinander oder vereinzelt in Nachbardörfer geheiratet wurde, ganz im Gegensatz zur den Städten, wie Hann.
Münden.
Für die Zeit nach 1800 sind die Vorfahren vieler Familien durch die im Sinne “völkischer Vergangenheit” missbrauchten sog. “Ariernachweise”, die zwangsweise im Dritten Reich erstellt werden mussten und positiverweise
viele Familien erstmalig mit ihrer eigenen “Vergangenheit” vertraut machten, bekannt. Jedoch sind gerade in Spiekershausen durch die hohen Bombenschäden viele dieser Dokumente verbrannt. Einiges wird auch später
nicht mehr für wertvoll gehalten und “verloren gegangen sein”.
Mit einigen Einwohnern habe ich über ihre bzw. unsere gemeinsamen Vorfahren gesprochen. Vieles ist noch unklar und müsste anhand der neueren Kirchenbücher erforscht werden. Wann setzen sich die Spiekershäuser
Familien zusammen ?
Wo wohnten nun diese “alten” Spiekershäuser Familien ?
Nur der Mühle können die Namen der Besitzer seit 1515 zugeordnet werden. Für alle anderen Einwohner kann diese Frage erst
ab 1855 korrekt beantwortet werden, denn die Volkszählungsliste aus diesem Jahr ist im Gegensatz zu der von 1836 nach Hausnummern gegliedert. Noch die Brandkassenliste 1844 erfolgte nicht nach Hausnummern.
Die Hausnummern sind in Spiekershausen also mit Sicherheit zwischen 1836 evtl. sogar zwischen 1844 und 1855 eingeführt worden.
In Spiekershausen hat man sich mit den Hausnummern nicht, wie in anderen Orten, an die erste Brandkassenliste von 1828 gehalten.
Das spätere Haus Kaiser mit Nr.1 (Hauptstr.18) hat dort die Nr.11 (Hauptstr.23) und das Haus Nr. 10 (heute 23) die Nummer 1.
Um 1750 besteht Klarheit nur für die Höfe 6-17. Der Türbalken von Haus Nr.10 (Hauptstr.23, Ahlborn) trägt das Jahr 1705,
ein Türpfosten des Hauses Nr.13 (Eberleinstr.5, Grimm) das Jahr 1728, Nr.16 (heute 39 Regenbogen) entstand 1738, Nr.18
(“Treppedees”, heute Garagen gegenüber der Kirche) erst 1756, Haus Nr. 17 (heute 37, Haack) brannte 1815 ab und wurde 1832 wieder errichtet.
Vor 1750 kann man über die Wohnorte der Spiekershäuser nur Vermutungen anstellen. Auch die Reihenfolge der Namen in den Steuerlisten hilft kaum weiter.
Aus der Zeilennumerierung in den frühen Erhebungslisten (Steuerlisten, Mannschaftslisten) kann nicht auf die späteren
Hausnummern geschlossen werden. Die dort verwendete (Zeilen-) Numerierung bezeichnet nur die einzelnen Hofstellen. Bei den
jeweils nachfolgenden Erhebungen hat man versucht, die vorher gewählte Reihenfolge einzuhalten. Meistens wurde bei dem
reichsten Bauern, der in der Regel Bürgermeister war und dieses Amt oft an seinen Sohn “weitergab”, angefangen. Im Lauf der Zeit ergaben sich Verschiebungen.
Die ab 1855 verwendeten Nummern 1,2,3,4,5,6 usw. für die Höfe Kaiser (heute Hauptstr.18+20), Laubach (18),
Spohr/Winneknecht (16), Mühle (Fuldaaue 27), Winneknecht (14), Robens (12) geben nicht das Alter der Höfe wieder. Die
Zählung hatte nahe der Kirche bei dem damals größten Hof (Nr.1 und 2 gehörten früher zusammen) begonnen, erfasste erst die
Gebäude an der Fulda und dann, rückkehrend von der Mühle, diejenigen in der zweiten Reihe bis Nr.9 (heute 19, Mogge). Ab
Hausnummer 10 (heute 23) wurden die weiteren dann so vergeben, wie sie sich beim Entstehen aneinandergefügt hatten. Nur die
Reihenfolge Haus Nr. 15,17,16 (heute 35,37,39 - Gies, Regenbogen, Haack) folgt diesem Schema nicht.
Eine Zuordnung von Eigentümern zu bebauten und unbebauten Grundstücken anhand von Kartenmaterial ist in Spiekershaus erst
einwandfrei möglich durch das Kataster aus dem Jahre 1874/75 (Einschätzungskupons). Bei den Katasterreinkarten fehlt im Landesarchiv Hannover für Spiekershausen leider der Ortsbereich.
Er könnte sich jedoch im Katasteramt Göttingen befinden.
Ein kolorierter Lageplan des Dorfes, “copiert nach der Katasterkarte März 1886 durch Brandstätter” im Maßstab 1:1000 gibt parzellenscharf Grundstücke und Gebäude mit den Hausnummern wieder.
Dieses ist also “in aller Kürze” die Geschichte von den älteren Spiekershäuser Einwohnern.
Die von mir verwendeten Quellen, vor allem aus dem Nds. Landesarchiv (Pattensen und Hannover) und dem Kirchenbuchamt
Hannover, können hier nicht einzeln aufgeführt werden. Einen Satz der abgelichteten Steuer- und Mannschaftsregister, welche
zum großen Teil auch die Einwohner der anderen Ortsteile von Staufenberg umfassen, habe ich 1990 in das Gemeindearchiv
gegeben. Vor allem Walter Blum, Uschlag, sowie Adolf Kraft, Nienhagen, und Armin Heckmann, Wahnhausen, haben meine Angaben mit persönlichem und finanziellem Einsatz ergänzt.
Für Spiekershausen sind von mir über 1000 Vorfahren zwischen 1319 und 1910 in einer Datenbank (dBASE IV) gespeichert
und, sortiert nach Jahren bzw. Familiennamen, ausgedruckt. Anhand des zusammengestellten Quellenmaterials kann sich jeder Interessierte selbst ein Bild der handschriftlichen Originale machen.
Es wäre zu begrüßen, wenn weitere Spiekershäuser Alt- und Neubürger ihre Vorfahren auf der Grundlage dieser Arbeit erforschten.
Rolf Grimm
|